
Saline Neuhall um 1920
Die zweite Saline in Stotternheim – Neuhall
(Fortzsetzung Teil 4)
Wir berichteten vergangene Woche über die Salzgewinnung und -nutzung und wichtige Protagonisten ihrer Zeit in der Saline Louisenhall in Stotternheim. Eine zweite Saline – Neuhall – schrieb ebenfalls Bergbaugeschichte im Erfurter Norden.
Hugo von Glenck war Eigentümer dieser Saline. Seine Nachfahren firmierten zu einer Aktiengesellschaft um und verkauften kurz danach 50 Prozent der Anteile an ein Bankhaus in Meiningen.
1883 wird das Firmengelände nahe des Bahnhofs erworben. Zwei Jahre später begannen die Bauarbeiten. Erste Bohrungen wurden gesetzt, 1887 erreichten sie die Tiefe der Salzlagerstätten und die Siedearbeiten begannen. Lediglich zwei Bohrungen wurden in Neuhall gesetzt. Die zweite 1901/ 1902.
Immer befanden sich vier Siedepfannen mit einer Gesamtfläche von 405 Quadratmetern in Betrieb. Rund 7 x 14 Meter Grundfläche und einen halben Meter Höhe wiesen sie auf, die Flächen differierten leicht.
Die maximale Tagesproduktion belief sich auf 34 Tonnen Salz – theoretisch. In der Praxis blieb wegen Reparaturen oft eine Pfanne kalt, mithin wurden pro Tag meist nur 26 Tonnen Siedesalz produziert. Bei 25 Arbeitstagen pro Monat wurden rund 650 Tonnen Salz gesiedet, rund 7.800 Tonnen jährlich.
Die Trocknungsanlagen befanden sich nahe der Siedepfannen. Diese sog. Darren hatten die gleiche Grundfläche wie die Siedepfannen, so konnte parallel zum Siedeprozess getrocknet werden. Die Züge unter den Pfannen und Darren wurden so angelegt, dass die Wärme mehrfach hin- und hergeleitet und so recht effektiv genutzt wurde.
Während des Zweiten Weltkrieges waren in einer der Lagerhallen ca. 15 französische Kriegsgefangene untergebracht, die in der Saline arbeiteten. 1947 wurde die Saline „Neuhall“Volkseigentum, die Besitzer wurden enteignet.
Schließlich wurde Neuhall stillgelegt. Das ehemalige Verwaltungsgebäude dient jetzt als Wohnhaus. Die Hallen der Saline und das Gelände werden von einem Wirtschaftsunternehmen genutzt.
Autor: B. Köhler, Fotos: Die historischen Bilder sind dem Buch entnommen „Die Salinen und das Soledad zu Stotternheim“, Autor: Dr.-Ing. Heinrich Bartl, herausgegeben 2008, alle Rechte liegen beim Autor. Sie wurden uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt, dafür gilt unser besonderer Dank. Ebenso danken wir für die fachkompetente Unterstützung durch Jörg Bodenstein, Erster Vorsitzender und Hartmut Weirauch, Mitglied des Vorstandes Bergmannsverein "Otto Ludwig Krug von Nidda" e.V., Erfurt.

Ansicht vom Ort aus um 1924

Neuhall um 1938 mit Salinenhauptgebäude links und Kessel- und Maschinenhaus am Bohrturm rechts

Verwaltungsgebäude links und Direktoren-Villa rechts um 1930

Das Gebäude nahe des Bahnhofes heute

