Der lange Tross der Entdeckertourteilnehmer bewegt sich entlang der Gera in Richtung Kiliani-Park.

Entdeckertour zeigt Potenzial einer neuen Parklandschaft und erörtert auch damit verbundene Schwierigkeiten

Die Entdeckertour durch den Erfurter Norden führte am Mittwoch entlang der Gera. Mehr als 160 Teilnehmer hatten sich am späten Nachmittag am Mehrgenerationenhaus in der Moskauer Straße getroffen und brachen gemeinsam auf zur Geraaue. Beigeordneter Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften Alexander Hilge und Ortsteilbürgermeister Torsten Haß erläuterten die geplante Umgestaltung im Zuge der Bundesgartenschau 2021 und stellten sich den Fragen der Teilnehmer.

Ein erster Zwischenstopp wurde eingelegt an der Fußgängerbrücke, die sich über die Straße der Nationen spannt. Um den Geraradweg durchweg barrierefrei gestalten zu können, ist eine Brücke mit rund drei Prozent Steigung erforderlich. Die jetzige weist allerdings 12 Prozent auf. Eine neue Brücke soll deshalb entstehen. Da deren Bauzeit rund eineinhalb Jahre betragen wird, wird die jetzige Brücke erst abgetragen, wenn die neue fertig gestellt ist. Aufgrund der verringerten Steigung und der Tatsache, dass auf der Straße der Nationen der Schwerlastverkehr von und zu Siemens eine bestimmte lichte Höhe erfordert, braucht das neue Bauwerk eine flach auslaufende, weitläufig angelegte Anfahrtsrampe an beiden Enden. Deshalb mussten in diesem Bereich zahlreiche Bäume gefällt werden. Überhaupt waren die Baumfällungen im Erfurter Norden ein Thema, das die Teilnehmer der Entdeckertour brennend interessierte. Entlang des Flusslaufes bis nach Gispersleben sind ebenfalls Baumfällungen vorgenommen worden, um den Radweg auf 3,80 Meter verbreitern zu können und ihn an einigen Stellen zu begradigen.

Ein weiteres Thema, das die Teilnehmer umtrieb, war der geplante Rückbau von 35 Parkplätzen. Sie sollen einem Grünband weichen. Dazu hatte es vor ca. zwei Jahren eine Untersuchung zur Auslastung der Parkplätze gegeben wie Alexander Hilge, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften erörterte. Diese ergab, dass es ungenutzte Parkflächen gab und entsprechend wurde die Fläche für das Grünband erworben. Heute stelle sich die Situation anders dar als vor zwei Jahren, schilderten Anwohner. Auch sei die Untersuchung in der Urlaubszeit vorgenommen worden, wo viele Menschen nicht zu Hause waren. Alexander Hilge versprach, das Thema noch einmal in der Stadtverwaltung zu beleuchten. Eine Anwohnerin übergab eine Liste mit Unterschriften zum Erhalt der Parkplätze bzw. zur Schaffung von Ersatzparkflächen.

Auch an der Turnhalle offenbart sich ein Parkplatzproblem. Hier wird derzeit unzulässigerweise auf Grünflächen und an der Gartenanlage geparkt. Das Amt ahndet dies nicht, aber künftig wird der asphaltierte Weg der Gartenanlage zugeschlagen und durch Zaun und Tor vom öffentlich zugänglichen Bereich abgetrennt. „Ein Park ist ein Park und dort haben Autos nichts zu suchen.“, erklärt Alexander Hilge seine Position. Zugleich aber versucht er, für die Arbeit der Vereine, die in der Turnhalle aktiv sind, eine Lösung zu finden. Das betrifft u.a. die Sportakrobaten des SV Concordia.

Der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften, Alexander Hilge und Ortsteilbürgermeister Torsten Haß stellten sich nicht nur den Anfragen der Entdeckertourteilnehmer, sondern erörterten auch das Konzept, nach dem dieser Bereich der Geraaue umgestaltet werden soll. Man braucht nicht allzu viel Fantasie, um erkennen zu können, dass die Uferlandschaft der Gera nachhaltig und attraktiv neu gestaltet wird. Nicht weniger als Thüringens größter Landschaftspark soll entstehen. Plätze zum Verweilen werden ebenso geschaffen wie Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten. Radwandern, joggen, spazieren gehen, Beachvolleyball spielen, Trampolin springen, Basketball spielen und vieles mehr wird in naher Zukunft möglich sein. Neue Spielplätze für Kinder werden angelegt. Zudem ist die Flusslandschaft bereits jetzt deutlich naturnaher gestaltet worden. Die Wehre Gispersleben und Teichmannshof sind einem sich in sanften Schwüngen bewegendem Fluss gewichen – gut für die Fische, die so leichter zu ihren Laichplätzen gelangen können.

Viel Gutes bringt die Bundesgartenschau 2021 für den Erfurter Norden mit sich, vor allem auf lange Sicht betrachtet. Mehr Naturnähe, mehr Bewegungsmöglichkeiten, auch für jene, die darin eingeschränkt sind. Es braucht ein wenig Geduld, bis die Neuanlagen sich so entwickelt haben, bis sich wirklich mehr Grün sich durch unseren Stadtteil zieht. In wenigen Monaten schon werden die Umgestaltungen deutlich an Kontur gewonnen haben. Unten stehender Plan zeigt auf, was der Bereich zwischen der Straße der Nationen und dem Gisperslebener Kilianipark später zu bieten haben wird.

Autor: B. Köhler   Fotos: B. Köhler

Gemeinsam gehen mehr als 160 Teilnehmer in Richtung Gera.

Auf dieser Fläche entsteht ein Teich.

Hier entlang zieht soll sich künftig ein Grünband ziehen.

Die jetzige Fußgängerbrücke hat einen 12 Prozent starke Steigung.
Bäume mussten weichen für eine flache und Anfahrtsrampe der neu zu bauenden barrierefreien Fußgängerbrücke.

Der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften, Alexander Hilge erläutert das Neugestaltungskonzept und steht in Sachen Parkplätze Rede und Antwort.

Der asphaltierte Weg wird künftig der Gartenanlage zugeschlagen und durch einen Zaun vom öffentlich zugänglichen Parkbereich abgegrenzt.

Die Turnhalle wird derzeit saniert, verfügt aber nicht über Parkplätze, die öffentlich zugänglich sind.
Im Gespräch mit einer Trainerin des SV Concordia zu den fehlenden Parkplätzen.

Baumstümpfe säumen den Weg. Der soll künftig 3,80 Meter breit werden, weshalb die Bäume weichen mussten.

Hier, kurz vor dem Gisperslebener Kiliani-Park hat der Radweg bereits seine endgültige Breite erhalten.

Auf dem Gelände des ehemaligen Heizkraftwerkes entsteht ein Festplatz für die Gisperslebener.

Die Fußgängerbrücke im Kiliani-Park hat Bauverzug. Im späten Frühjahr soll sie fertig gestellt werden.

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