Eine Chance, die nie wieder kommt
Parklandschaft vom Nord- bis zum Kilianipark

Das ambitionierte Vorhaben, im Zuge der BUGA 2021 eine durchgängige Parklandschaft vom Nordpark bis zum Gisperslebener Kilianipark zu schaffen, ist so greifbar nah wie störanfällig. Jetzt gälte es, an einem Strang zu ziehen, doch die Bürgerinitiative zum Erhalt der Garagen “Hinter der Rennbahn“ stellt zunächst ihre Eigeninteressen voran.

Was bislang aus finanziellen Gründen unmöglich war, könnte nun Realität werden: Eine grüne Lunge für den gesamten Erfurter Norden. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle: Der Hochwasserschutz an der Gera, die Renaturierung des Flusses für einen gesunden Fischbestand und die Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten für die Menschen direkt vor der Haustür.

Erst die BUGA 2021 lässt die grundhafte und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Umgestaltung in greifbare Nähe rücken. In diesem Zuge ist eine Finanzierung dieses groß angelegten Projektes möglich – eine einmalige, nicht wiederkehrende Chance für den Norden unserer Stadt.

Das könnte entstehen:
Abgeflachte Geraufer, um dem Fluss mehr Raum zu geben und die Ortslage vor Hochwassern besser zu schützen. Kleine Inseln und Kiesbänke im Fluss, um vielen Vogelarten Brut- und Fischen Laichplätze zu geben. Bäume und Sträucher, die die Ufer stabilisieren, im Sommer Schatten spenden und für bessere Luft sorgen in großzügiger Anpflanzung. Wiesen in Ufernähe, teils terrassenförmig angelegt, mit Bänken ausgestattet, zum Picknick einladend. Rad- und Wanderwege für Bewegung an frischer Luft.

Betrachtet man die oben stehende Abbildung, die die Entwurfsplanung im Bereich des alten Klärwerkes zeigt und exemplarisch für die Gesamtgestaltung der Geraaue steht, kann man durchaus ins Schwärmen geraten. Es scheint, als würde der Nordpark – einer der ältesten und schönsten Parks Erfurts – eine Fortsetzung finden und für viele Anwohner auch weiter nördlich direkt zugänglich sein.

Diesen Möglichkeiten entgegen steht eine Bürgerinitiative, die um den Erhalt ihrer Garagen in der Straße “Hinter der Rennbahn“ kämpft. Die Garagen sollen abgerissen werden, weil sie zu nah am Ufer der Gera stehen und wie ein Riegel wirken, der eine durchgängige Parklandschaft unmöglich macht. Die Garagen stehen auf städtischem Grund und Boden, die Pachtverträge enden bereits 2018.

Wohl jeder kann nachvollziehen, dass es unschön ist, auf Gewohntes zu verzichten. Insoweit lässt sich das Bestreben der Besitzer verstehen. Weniger verständlich allerdings wird es, wenn man weiß, dass die Stadt bereits Alternativen und die Übernahme der Kosten für den Abriss angeboten hat. Es geht hier wohl mehr um einen Umzug als um einen Verzicht. Garagengemeinschaften – zu DDR-Zeiten entstanden – wurden überall im Stadtgebiet aufgelöst. „Noch nie aber hat die Stadt soviel Entgegenkommen gezeigt wie hier, sagt Ortsteilbürgermeister Torsten Haß anlässlich eines Treffens der “Initiative Geraaue“ am Dienstag. Einmalig sei neben den alternativen Angeboten auch die Übernahme der Abrisskosten, ergänzt er.

Die Mitglieder der “Initiative Gerauaue“ trafen sich mit den Ortsteilbürgermeistern und engagierten Bürgern, um ein Signal auszusenden, dass man Einzelinteressen nicht über die aller anderen Nord-Bewohner stellen solle und betonten nachdrücklich und glaubhaft ihre Gesprächsbereitschaft.

Der Punkt sei, dass, selbst wenn die Garagengemeinschaft erfolglos agierte, durch den entstehenden Zeitverzug das gesamte Projekt für den Erfurter Norden scheitern könnte. Dann beträfe es nicht nur den Garagenstandort, sondern alle Bereiche vom Nordpark bis nach Gispersleben, denn er bildet eine planerische Einheit. Ein neues Planungsverfahren würde die Realisierung vor 2021 unmöglich machen.

Karl-Heinz Oschmann bringt es auf den Punkt: „Ich bin nur ein einfacher Anwohner, habe aber großes Interesse, dass die neue Gestaltung der Geraaue kommt. Mir geht es nicht um die BUGA an sich, sondern um die Nachhaltigkeit dieses Projektes. Eine Chance, die nie wieder kommt.“

 

Autor: B. Köhler  Fotos: S. Forberg

Anwohner Karl-Heinz Oschmann: „Eine Chance, die nie wieder kommt.“

 

Initiativen-Gründerin Silke Wuttke engagiert sich für den Erfurter Norden, auch im Interesse der Mitglieder und Mieter der Wohnungsbaugenossenschaft Zukunft, die sich – Gelingen vorausgesetzt – auf ein deutlich aufgewertetes Wohnumfeld freuen dürfen.

 

Ortsteilbürgermeister Torsten Haß: „Die Stadt ist sehr weit auf die Garagenbesitzer zugegangen.“

 

 

„Wir wollen für alle Bewohner ein schönes Umfeld und könne nicht akzeptieren, dass einige wenige ein solches Projekt gefährden.“, sagt Gisperslebens Bürgermeisterin Anita Pietsch.

 

Gemeinsam engagiert für den Erfurter Norden: Horst Gramberg, Stephan Zänker, Karl-Heinz Oschmann, Wilfried Kulich, Anita Pietsch, Torsten Haß, Hertha Trenkner, Silke Wuttke (v.l.n.r.)

 

Garagen oder Parklandschaft?