240 Tonnen Stahl tragen künftig über die Straße der Nationen

Kurz vor Zehn am gestrigen Sonntag wurde das letzte der vier gewaltigen Teile der neuen Fußgängerbrücke über die Straße der Nationen eingesetzt. Zwei Tage lang war die Straße gesperrt worden, um die Montage per Kran durchführen zu können. Das Montageteam hat sehr zügig gearbeitet und war vorfristig mit dem Einheben der Brückenteile fertig. 240 Tonnen Gesamtgewicht hat die Stahlkonstruktion, das leichteste Teil wiegt 38, das schwerste der vier Elemente 85 Tonnen.

Charakteristisch für die neue Brücke ist nicht nur ihre sanfte Steigung bzw. ihr nur drei Prozent starkes Gefälle, was sie barrierefrei macht, sondern auch eine besondere Stahlkonstruktion, deren augenfälligstes Merkmal der blaue Stahlbogen ist. Konstruktiv war die Brücke eine Herausforderung wie uns Matthias Graf, Geschäftsführer der Stahl- und Maschinenbau Graf GmbH erklärt. Sein im sächsischen Weihenböhla ansässiges Unternehmen mit Fertigung in Meißen hat sich auf die Produktion solch komplizierter Stahlkonstruktionen spezialisiert. „Das Projekt hat einen Riesenspaß gemacht, wir haben intensiv und in drei Schichten daran gearbeitet.“, berichtet Graf. Auch der Transport der riesigen Elemente war eine Herausforderung. Mit einer Fahrbreite von 6,90 Meter, einer Höhe von 4,45 Meter und eine Gesamtfahrzeuglänge von 35 Metern scheiden viele Straßen als Transportweg aus. Und so waren große Umwege in Kauf zu nehmen, um schließlich über die Autobahnen die Teile von Meißen nach Erfurt bringen zu können.

Die Brücke hat eine Durchfahrtshöhe von 5,50 Meter, eigens damit die bei Siemens produzierten Turbinen auf der Straße der Nationen transportiert werden können. 6,40 Meter misst die Brücke an ihrer breitesten Stelle.
Bereits vormontiert ist eine lange Bank, auf der man künftig Platz nehmen und den Blick in die Geraaue und die Wohngebiete schweifen lassen kann. Jetzt sind noch diverse Montagearbeiten erforderlich, der Auftrag eines sog. reaktionsharzgebundenen Dünnschichtbelages, der für die nötige Griffigkeit der Oberfläche sorgt. Auch das Baufeld ist soweit fertig zu stellen, dass man gefahrlos zur Brücke gelangt. Im Spätherbst soll die Brücke freigegeben werden.

Wann der Abriss der alten Brücke erfolgt, steht noch nicht genau fest. Wie unser Foto zeigt, ist sie marode, mit Netzen wurde der Absturz von Betonteilen auf die Fahrbahn verhindert. Aber noch sind Anschlüsse zu verlegen und Rücksicht auf die Fledermäuse zu nehmen. Intensiv geprüft worden war im Vorfeld, ob eine Sanierung der Brücke möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist. Sieht man einmal davon ab, dass die alte Brücke nicht barrierefrei war, wäre eine Sanierung möglich gewesen, die allerdings mit einer Haltbarkeitsdauer von 30 Jahren dem Neubau, der auf 80 Jahre konzipiert ist, kostenseitig nicht hätte standhalten können.

Autor: B. Köhler.  Fotos: B. Köhler, S. Forberg, Stahl- und Maschinenbau Graf GmbH

Alexander Hilge, Beigeordneter für Bau und Verkehr und Matthias Graf, Geschäftsführer der Stahl- und Maschinenbau GmbH Weihenböhla und Produzent auf der neuen Brücke

Die Vorrüstung für eine lange Bank, Handlauf und Beleuchtung sind beeist in die Konstruktion integriert.

Der Transport der Brücke von Meißen nach Erfurt war eine echte Herausforderung.

Ankunft der Elemente an der Straße der Nationen