Neues Haus für ältere Menschen
So lange wie möglich selbstbestimmt

Das Deutschordens-Seniorenhaus in der Vilniuser Straße baut ein weiteres Haus, jetzt mit 15 Wohnungen, in denen ältere Menschen ihren Lebensabend verbringen können – selbstbestimmt, aber in unmittelbarer Nähe zu vielfältigen Dienstleistungen. Der Bedarf ist sehr hoch, schätzt Hausleiterin Christine Sydow ein. Die Warteliste sei lang und obwohl erst der Rohbau fertiggestellt ist, sind alle Wohnungen bereits vergeben.

Das Seniorenheim, das mit 270 Plätzen eines der größten in Thüringen ist, hat sich der Betreuung und – sofern eine Pflege erforderlich ist – eben jener verschrieben. Arzt und Zahnarzt, Friseur, medizinische Fußpflege und eine Logopädie sind dem Seniorenheim angeschlossen, agieren aber selbstständig und behandeln auch Patienten bzw. Kunden, die aus dem Stadtgebiet zu ihnen kommen. Den künftigen Mietern des neuen Hauses stehen diese Services offen, zudem haben sie die Möglichkeit, ihre Wäsche waschen, die Fenster putzen zu lassen, Frühstück, Mittag- oder Abendessen im Seniorenheim einzunehmen, wenn ihnen der Sinn danach steht. Jede in Anspruch genommene Leistung ist kostenpflichtig. Die Miete ist – wie überall – ein Entgelt für die Nutzung der Wohnung, mehr schließt sie nicht ein.

In ihren Wohnungen sind die Mieter ihr „eigener Herr“, strukturieren ihren Tag selbst und versorgen sich autark. Die Nähe zum Seniorenheim gibt ihnen Sicherheit, man kennt sich, fühlt sich zu Hause. Man kann an Sommerfesten teilnehmen oder die Gottesdienste in der Kapelle, die zum Deutschordenshaus gehört, besuchen.

Und stets findet man Hilfe, wenn Not am Mann ist, zum Beispiel auch, wenn der Fernseher einmal streiken sollte. Umgekehrt haben auch die Angehörigen die Möglichkeit, um Hilfe für Eltern oder Großeltern zu bitten, wenn sie selbst nicht vor Ort sein können.

„Der alte Mensch steht im Mittelpunkt. Solange wie möglich soll er ein selbstbestimmtes Leben führen können. Sollte Pflegebedürftigkeit eintreten, kann er in unser Altenheim umziehen“, umreißt Christine Sydow das Konzept der Wohnungen. Vor zwei Jahren hat das Deutschordenshaus einen eigenen ambulanten Pflegedienst gegründet. Die Besonderheit: Jeder Bewohner kann dessen Dienstleistung in Anspruch nehmen, ob der einen Pflegegrad hat oder nicht. Bereits vor fünf Jahren hat das Deutschordenshaus ein Gebäude errichtet, das 10 Wohnungen beherbergt. Die Mieter haben das beschriebene Konzept sehr gut angenommen. Das positive Feedback war schließlich der Grund dafür, jetzt ein größeres Haus mit 15 Wohnungen zu errichten.

Das neue Gebäude hat drei Etagen. Mit einer durchschnittlichen Größe von rund 50 Quadratmetern, aufgeteilt auf einen Wohnbereich mit Küche, Schlafzimmer und Bad, haben die Wohnungen dem Konzept entsprechend eine optimierte Größe, sowohl für einzelne Personen als auch für Paare. Alle Wohnungen verfügen über Balkon, im Erdgeschoss über Terrasse. Die Wohnungen sind barrierefrei, haben verbreiterte Türen, keine Schwellen. Am Gebäude wird ein zweites Treppenhaus angebaut, um einen zusätzlichen Rettungsweg zu haben. Ein Lift sorgt dafür, dass die oberen Etagen bequem erreicht werden können, auch für Menschen mit Bewegungseinschränkungen.

Eine Wohnung sticht besonders hervor – sie ist rollstuhlgerecht und erfüllt alle Kriterien, die in einer DIN-Norm festgeschrieben sind. Das beinhaltet u. a. eine Bewegungsfläche von 1,50 Metern für Schränke, Waschbecken und Toilette. Fenstergriffe und Türklinken sind tiefer gesetzt, sodass sie vom Rollstuhl aus bequem erreichbar sind. Über eine Smart-Home-Ausstattung lassen sich Rollläden steuern, Licht betätigen u.v.a.m. Eine Ladestation für den elektrischen Rollstuhl wird im Eingangsbereich der Wohnung installiert. Um die notwendigen Bewegungsflächen zu erreichen, ist diese Wohnung größer – ca. 70 Quadratmeter.

Der Bau liegt gut im Zeitplan. Rund einen Monat vorfristig erfolgte die Rohbauabnahme. Im Sommer 2021 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.

Autor: B. Köhler   Fotos: S. Forberg