Bestmögliche Entwicklung für Kinder

In der „Grundschule an der Geraaue“ in der Bukarester Straße lernen schon die Erst- bis Viertklässler, wie Demokratie und Mitbestimmung funktionieren. Hier gibt es nicht nur Klassensprecher wie in anderen Schulen, sondern zudem einen Schülerrat. „Die Schüler sollen erleben, dass sie gehört werden, dass sie wichtig sind“, erklärt Schulleiterin Heike Kirchner den Erziehungsansatz. Die Kinder werden in viele Aktivitäten eingebunden, lernen sich zu artikulieren, zu kommunizieren. So stellten unter anderem die Schüler der vierten Klassen im November zum „Kennenlerntag“ ihre Schule den Gästen vor. Das waren die Eltern von Kita-Kindern, die im folgenden Schuljahr hier lernen wollen. Diese besondere Form eines „Tages der offenen Tür“, an dem Räume, Lehr- und Lernmaterialien gezeigt werden und die Pädagogen sich vorstellen, soll im Herbst eine Neuauflage erfahren.

Dann wird auch das neue Schulkonzept präsentiert, an dessen Entwicklung derzeit noch intensiv gearbeitet wird. Und das beinhaltet viele interessante Ansätze. Im Fokus steht die bestmögliche Entwicklung der Kinder. „Lesen, Schreiben und Rechnen werden hier gelehrt, aber noch so vieles mehr“, sagt die Schulleiterin. „Wir wollen, dass die Kinder stolz sagen: Das ist meine Schule. Hierher bin ich gern gegangen. Hier habe ich Dinge gelernt, die für’s Leben wichtig sind.“

Und das gilt für alle Kinder. Rund dreißig Prozent von ihnen sind Migranten. Wer Heike Kirchner zuhört, ist sicher, dass deren Integration gut gelingen kann. „Die Kinder werden wie alle anderen auch behandelt, zusätzlich erhalten sie nur eine Sprachausbildung.“ Bei der Zusammenstellung der Sprachlerngruppen wird weniger auf das Alter als auf den Kenntnisstand der deutschen Sprache geachtet. Die Pädagogen haben z. T. eine Weiterbildung absolviert, wie Deutsch als Zweitsprache zu vermitteln ist. „Der wichtigste Sprachlehrer aber ist die Klasse“, resümiert die Schulleiterin. Die Motivation der Kinder, Teil des Ganzen zu sein, dazugehören zu wollen, ist hoch. Am Ende der ersten Klasse können die meisten Kinder bereits sehr gut im Unterricht mitarbeiten, auch wenn sie zuvor kaum ein Wort unserer Sprache beherrschten.

Das noch in Arbeit befindliche und von allen Pädagogen zu beschließende neue Schulkonzept basiert auf einer veränderten Arbeit mit den Kindern und der Entwicklung des Verständnisses für Demokratie. Es ist wichtig, dass Lehrer und Erzieher das Kind spüren lassen: Ich höre dich. Das Kind muss seinerseits den Mut aufbringen, sich zu äußern. Das wird Zeit brauchen und sich schrittweise entwickeln. Die Schüler werden u.a. künftig noch stärker in die Vorbereitung un d Durchführung von Projekttagen eingebunden. Zum jährlich stattfindenden Herbstfest präsentieren sie den Eltern, was sie geleistet haben.

Ein weiterer wichtiger Part der Konzeption betrifft die Arbeit im Hort. Der wird den Kindern verstärkt Angebote für eine interessante und gleichzeitig lehrreiche Freizeitbeschäftigung unterbreiten. Dafür werden nicht nur die Erzieher aktiv, sondern gesucht werden zudem Externe – sei es zum Tischtennisspielen, zur Unterweisung in die Arbeit mit Computern und vieles andere mehr. Ziel ist die Ganztagsbildung, Förderung und Forderung, Motivation und Spaß.

Autor: B. Köhler.  Fotos: S. Forberg

Schulleiterin Heike Kirchner