Sanierungsstau – löchriger Straßenbelag und bislang kein Anschluss an das Abwassernetz

Grenzwertig
Straßenausbau des Grenzweges in konstruktiv-kritischer Diskussion

Gestern Abend war das Gisperslebener Bürgerhaus voll besetzt. Grund dafür war eine Informationsveranstaltung des Amtes für Verkehr und Tiefbau für die Anwohner des Grenzweges, dessen Planung zu einer umfassenden Sanierung vorgestellt wurde. Beginnen soll die Baumaßnahme bereits im Mai.

Der Grenzweg ist eine schmale und vergleichsweise kurze Straße, ein sog. Wohnweg, gelegen zwischen Hannoverscher und Nordhäuser Straße in Nachbarschaft des Lidl-Marktes. Viele kennen das kleine Wohngebiet noch als ‚Reineckes Hof’.
Der Sanierungsstau ist unübersehbar. Das drängendste Problem aber liegt unter der löchrigen Fahrbahnoberfläche: Der Grenzweg ist bislang nicht an das Abwassernetz der Stadt angeschlossen. Das soll ab Mai geändert und im Zuge dessen die Fahrbahn grundhaft saniert werden einschließlich aller anderen Versorgungsleitungen. Nach dem Ausbau wird die Straßenbreite wie bisher vier Meter betragen, wovon ein halber Meter als Fußweg mit flachem und damit überfahrbaren Bordstein gebaut wird. Die Fahrbahn wird asphaltiert, der Fußweg gepflastert, eine neue Straßenbeleuchtung installiert. Rund 400.000 Euro investiert die Stadt.

Der Grenzweg ist eine Sackgasse. Deshalb sollte ein Wendehammer errichtet werden, insbesondere für größere Fahrzeuge z.B. von der Müllentsorgung. Allerdings gelang es der Stadtverwaltung nicht, das dafür erforderliche Grundstück vom privaten Eigentümer zu erwerben. Nach Darlegung des Amtes für Verkehr und Tiefbau sei es Müllfahrzeugen nicht mehr gestattet, rückwärts in Straßen einzufahren, weswegen ein Mülltonnensammelplatz an der vorderen Einmündung errichtet werden soll. Das wiederum bedeutet für die Bewohner weiter hinten gelegener Grundstücke einen weiten Weg, im äußersten Fall bis zu rund 180 Metern. Das beklagen die Anwohner, von denen die meisten nicht mehr jung sind.
Harald Hilpert, Mitglied des Gisperslebener Ortsteilrates, zitierte eine Verordnung, die das Rückwärtsfahren von Entsorgungsfahrzeugen durchaus gestatte und lieferte damit einen Lösungsansatz. Die Regel der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) Nummer 114-601 aus dem Oktober 2016 weist aus:  “Die zurückzulegende Strecke soll nicht länger als 150 Meter sein.” „Rechtlich bedeutet ‚soll‘ in einer Vorschrift, dass dies anzuwenden ist, jedoch in begründeten Fällen davon abgewichen werden kann.“, erörtert Harald Hilpert. Dann könne alles beim Alten bleiben.
Eine Anwohnerin bot an, einen Teil ihres Grundstückes an die Stadt zu veräußern, wenn eine Wendestelle ungefähr in der Mitte des Grenzweges, nicht an dessen Ende errichtet werden würde.  

Ein weiteres Problem der geringen Straßenbreite ist, dass bei Gegenverkehr kaum ausgewichen werden kann. Derzeit nutzt, wer ausweichen will, das angrenzende Feld. Auch als Parkstreifen wird der unbefestigte Feldrand mitunter gebraucht. Möbellieferungen und Handwerker-Transporter werden ebenfalls schnell zum Hindernis. Ist die Straße erst ausgebaut, lässt sich aufgrund der dann gesetzten Borde übers Feld kaum noch ausweichen. Die Straßenbreite solle mindestens fünf Meter betragen, plädiert deshalb Anwohner Volkmar Thieme für eine nachhaltigere Lösung. Dazu solle die Stadt Verhandlungen mit den Eigentümern der Feldflächen aufnehmen. „Die Planung ist nicht zufriedenstellend. Wir bedauern sehr, dass die Anwohner nicht in den Planungsprozess einbezogen worden sind.“ ergänzt Doris Thieme. Die Informationen habe man dem Amtsblatt entnommen.

Um einer Lösung näher zu kommen, bot Ortsteilbürgermeisterin Anita Pietsch an, in einem ersten Schritt zügig Gespräche mit der Stadtwirtschaft aufzunehmen, um das bisherige Procedere bei der Müllentsorgung auch künftig beizubehalten – nämlich rückwärts in den Grenzweg einzufahren und die Mülltonnen vor den Grundstücken zur Entleerung aufzunehmen. Gelingt dies nicht, würde sie mit dem Grundstückseigentümer sprechen, der bislang nicht verkaufen wollte, für einen optimal positionierten Wendehammer. Diese Gespräche sollen die Arbeit der zuständigen Ämter unterstützen.

Autor: B. Köhler  Fotos: B. Köhler

 

 

 

‚Wildes‘ Parken auf dem Privatgrundstück eines anderen Eigentümers

 

Flächen des angrenzenden Feldes konnten nicht von der Stadt erworben werden.

 

Der Blick auf den Grenzweg aus Richtung Hannoversche Straße

 

Ortsteilbürgermeisterin Anita Pietsch engagiert für die Anwohner des Grenzweges, links neben ihr Herr High, rechts Bergit Schnellkraft vom Amt für Verkehr und Tiefbau.