Wenn der Tag erwacht …

Es ist kurz nach sieben. Wir sind auf dem Weg zur Arbeit – jeder in seinem Auto. Und verabreden uns spontan zu einem Frühstück in der Magdeburger Allee. Es ist noch dunkel und nur allmählich zeigen sich erste Lichtstrahlen an diesem klirrend kalten Wintermorgen. Wir nehmen Platz in Bäckerei und Café Schäfer am Beginn der Magdeburger. Die großzügigen Fensterfronten des Eckhauses geben den Blick frei auf eine der am stärksten frequentierten Kreuzungen unserer Stadt. Hier treffen Autos, Straßenbahnen, Radfahrer und Fußgänger aus der Stauffenberg-, der Magdeburger Allee, der Schlüter- und der Johannesstraße – wenn man so will – aufeinander.

Aber eigentlich geht in dieser morgendlichen Rush-Hour alles reibungslos. Wie Zahnräder greifen die Abläufe ineinander. Wir haben die perfekte Position, um ‚Leute zu gucken‘. Der sicherlich auf der Kreuzung tosende Verkehrslärm ist für uns unhörbar, alles da draußen bewegt sich scheinbar lautlos.

Im Café herrscht freundlich-entspannte Betriebsamkeit, viele Gäste finden den Weg aus der Kälte in die wohlig-warme Café-Atmosphäre. Wir sitzen bei Kaffee und Tee, Croissants und Brötchen, Marmelade und Honig – und beobachten, wie der Tag erwacht. Wir besprechen erste Arbeitsschritte, die im Büro zu unternehmen sind und bemerken, wie die Gedanken und Gespräche immer wieder abdriften, der Blick wie gefesselt am Geschehen und den Menschen da draußen hängen bleibt.

Die Häuserfront des diagonal gegenüber liegenden Boyneburgufers mit ihren reich verzierten Gründerzeit-Fassaden betrachten wir eingehend und stellen fest: So haben wir das noch nie gesehen. Auch deshalb, weil kein Grün an den Bäumen den Blick verstellt. Der kleine Park direkt gegenüber, in dem im Sommer eine Springbrunnen plätschert, liegt noch verwaist. Wir lassen unsere Gedanken schweifen und unser Gespräch plätschert dahin …

Wir reißen uns los, denn die Arbeit im Büro duldet nicht länger Aufschub. Draußen scheint inzwischen die Wintersonne an einem strahlend blauen Himmel. Für uns war das ein perfekter Start in einen langen Arbeitstag – entspannt und vom Duft frischer Brötchen eingehüllt. Wir kommen wieder.

Autor: B. Köhler   Fotos: S. Forberg